Created by potrace 1.16, written by Peter Selinger 2001-2019

Stellen Sie sich vor, Sie sind ein Kind.

Stellen Sie sich vor, Sie können sich nur unter Mühe mit Ihren Eltern verständigen.
Der Grund ist, dass die Eltern spanisch sprechen, und Sie deutsch.
Die Eltern sprechen untereinander spanisch, mit Ihnen sprechen sie ein ganz einfaches Englisch, weil sie kein Deutsch können.
Und das Ihre ganz Kindheit hindurch bis ins Erwachsenenalter.

Stellen Sie sich vor, Sie gehen auf die Schule und die meisten Lehrenden sprechen spanisch; manche von ihnen können ein bisschen englisch sprechen, einige können sogar deutsch sprechen!
Aus diesem Grund bekommen Sie in der Schule nicht alles mit, den Zugang zu Wissen und Bildung und den sozialen Zugang müssen Sie sich erkämpfen.

Rund um Sie wird spanisch gesprochen, in der Nachbarschaft, in Ausbildungsstätten, in den Universitäten, auch Ärzt*innen, Psychotherapeut*innen u.a..
Niemand kann Ihre Sprache.

Wenn es Ihnen psychisch nicht gut geht, wenn Sie eine innere Krise erlebt haben oder zwischenmenschliche Probleme haben – genauso wie spanisch sprechende Menschen auch – an wen können Sie sich wenden? Für spanischsprachige Menschen gibt es zahlreiche Beratungsstellen zu sehr vielfältigen Themenbereichen in spanischer Sprache – aber für Sie?

Sie finden die Frage absurd?

Es ist die Lebensrealität von vielen tauben / gehörlosen Menschen,
denn

  • neun von zehn Gehörlose wachsen bei hörenden Eltern auf; ein großer Teil der Eltern kann nicht oder nur rudimentär gebärden
  • Kindergarten, Schule und Bildungseinrichtungen sind (i.d.R.) lautsprachlich ausgerichtet
  • in der Nachbarschaft und am Arbeitsplatz kann meist niemand gebärden
  • es gibt kaum gebärdensprachkompetenten Ärzt*innen und Psychotherapeut*innen
  • bis zur Eröffnung von Hand zu Hand e.V. gab es in ganz Bremen und Niedersachsen kein psychosoziales Beratungsangebot für taube / gehörlose und hörgeschädigte Menschen

"Nicht sehen trennt von den Dingen,nicht hören trennt von den Menschen"
ist ein Zitat der taubblinden Helen Keller (1880 - 1968)

Durch die lautsprachlich aufgebaute Welt fehlt die Möglichkeit zur Kommunikation und somit Zugang zu vielfältigen Angeboten und Möglichkeiten.

Taube / gehörlose Menschen brauchen Menschen, die sie in ihrer Sprache fachkompetent beraten und begleiten können. Aus diesem Grund gibt es Hand zu Hand e.V., die psychosoziale Beratungsstelle für taube / gehörlose und hörbehinderte Menschen.

Die Beraterinnen / Therapeutinnen sind beide gebärdensprachkompetent, die eine ist taub, die andere interkulturell geprägt, und kennen die Sozialisation und das Hintergrundwissen tauber und hörbehinderter Menschen bestens.

Sie beraten taube / gehörlose, hörbehinderte Menschen, und auch CODAs (hörende Menschen gehörloser Eltern) aus ganz Bremen, dem Bremer Umland, Niedersachsen und darüber hinaus.

Das niedrigschwellige und kostenfreie Angebot ist norddeutschlandweit einzigartig und finanziert sich überwiegend durch Spenden.

taube Menschen